Roboter übernehmen Chinas Produktionsstätten

30-10-2014 | Foresight | Bojana Bidovec

Foresight_10_2014
 

Mit seinem riesigen Reservoir an billigen Arbeitskräften und seinem wachstumsstarken Binnenmarkt hat sich China in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem globalen Produktionszentrum entwickelt und 2010 die USA als grösster Fertigungsstandort der Welt abgelöst. Da die Löhne in China in den vergangenen Jahren jedoch deutlich schneller gewachsen sind als in den USA, ist der Lohnkostenvorteil schrittweise geschrumpft. 2004 lagen die Industrielöhne in China bei 3% des vergleichbaren Lohns in den USA. 2012 waren es bereits knapp 10%,1 und PricewaterhouseCoopers schätzt, dass dieser Wert bis 2030 auf 50% ansteigen wird. Unter Berücksichtigung der geringeren Produktivität in China und weiteren höheren Kosten, zum Beispiel für den Transport oder Zölle, schmilzt Chinas Produktionskostenvorteil gegenüber den USA damit auf weniger als 5%2 zusammen.

Robotertechnik und Automation bieten chinesischen Unternehmen eine Möglichkeit, günstiger und schneller zu produzieren und eine bessere Qualität zu liefern. Roboter führen Tätigkeiten aus, die für Menschen gefährlich, mühsam oder schlicht unmöglich sind. Dabei sind neue Robotergenerationen günstiger und agiler denn je und können sicher und effektiv mit Menschen zusammenarbeiten.

Im Wissen um die Vorteile der Automatisierung – zum Beispiel eine höhere Sicherheit, Qualität und Ressourceneffizienz – hat sich die chinesische Regierung ambitionierte Ziele für den Ausbau der Automatisierung gesetzt. Die Stadt Guangzhou zum Beispiel – ein wichtiges Produktionszentrum – will bis 2020 80% ihrer Produktion automatisieren und subventioniert den Kauf von Automationstechnik.3 2013 war China mit einem Umsatzanteil von 20% der weltgrösste Markt für Robotertechnik. Dabei gibt es hier weiterhin viel Wachstumspotenzial, da die Löhne steigen, die Robotertechnik günstiger wird und die Marktdurchdringung mit nur 23 Robotern je 10 000 Produktionsarbeitern in China noch immer sehr niedrig ist. Im Vergleich liegt sie in Japan bei 330, in Südkorea bei 396 und in den USA bei 141. Anders ausgedrückt: Chinesische Fabriken beschäftigen rund acht Mal so viele Menschen wie die Produktionsanlagen in den USA, nutzen aber nur ungefähr halb so viele Roboter – was etwa 1/16 der Zahl an Robotern pro Produktionsarbeiter entspricht. China wird in den kommenden Jahren voraussichtlich ein wichtiger Treiber der Nachfrage nach Robotern sein. Die IFR4 geht davon aus, dass der Absatz von Robotern in China bis 2017 um 26% pro Jahr steigen wird und damit mehr als doppelt so schnell wie der weltweite Absatz. Von diesem Marktwachstum in China dürften Roboterhersteller wie Kuka, ABB, Fanuc und Yaskawa Electric in den nächsten Jahren profitieren.
 

1 http://www.bls.gov/opub/mlr/2006/11/art4full.pdf; http://www.jetro.go.jp/en/reports/survey/pdf/2013_05_01_biz.pdf
2 BCG, April 2014
3 http://www.ecns.cn/business/2014/04-17/109792.shtml
4 http://www.ifr.org/industrial-robots/statistics/

BojanaBojana Bidovec, CFA

Senior Analyst der RobecoSAM Smart Materials Anlagestrategie

«Das Lohnwachstum in China und die sinkenden Kosten der Automatisierungstechnik sollten attraktive Wachstumschancen für Hersteller von Robotertechnik eröffnen.»

 



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Senior Analyst der RobecoSAM Smart Materials Anlagestrategie




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