Wachsender Appetit auf gesundes Essen

16-12-2014 | Foresight | Jürgen Siemer

Foresight_12_2014
 

Zucker ersetzt Fett – mit negativen gesundheitlichen Folgen
Über mehrere Jahrzehnte galt als erwiesen, dass eine hohe Aufnahme von gesättigten Fetten und Cholesterin das Risiko einer Arteriosklerose oder Herzerkrankung erhöht. In der Folge wurden von nationalen und internationalen Behörden eine fettarme Ernährung und insbesondere der Verzicht auf gesättigte Fette empfohlen. Daraufhin brachten Lebensmittelhersteller fettarme, als gesündere Optionen vermarktete Produktversionen an den Markt. Damit diese dennoch nicht weniger schmackhaft waren, ersetzten sie dabei Fett durch Zucker.

Ein Beispiel ist Frozen Yoghurt, das als gesünder als normales Speiseeis gilt, weil es aus Joghurt und nicht aus Rahm hergestellt wird. Von 2011 bis 2013 stieg der Absatz von Frozen Yoghurt in Grossbritannien um 117 % von GBP 6 Millionen auf GBP 13 Millionen. Aufgrund des von Natur aus säuerlichen Geschmacks von Joghurt ist der Zuckergehalt vieler Frozen Yoghurt-Marken jedoch sehr hoch. Und weil Joghurt nicht so satt macht wie Rahm, essen viele Konsumenten grössere Portionen oder greifen häufiger nach Frozen Yoghurt als sie es bei normalem Speiseeis tun würden. Letztlich kann der Austausch von Fett durch Zucker für eine vermeintlich gesündere Ernährung also sogar gesundheitsschädlich gewesen sein. Der deutliche Rückgang des Anteils von Fetten und gesättigten Fetten an der gesamten Energiezufuhr wurde durch einen höheren Verzehr von raffinierten Kohlenhydraten und einen höheren Zuckeranteil ersetzt — eine Ernährungsveränderung, die mitverantwortlich für die derzeitige Fettleibigkeits- und Diabetes-Epidemie sein könnte.1

Für den Trend zur Fettleibigkeit spielt die Art des verwendeten Zuckers ebenfalls eine Rolle. Mehr als die Hälfte der in den USA konsumierten Süssspeisen und Getränke enthalten Maissirup mit hohem Fructoseanteil (HFCS), ein industriell verarbeitetes Süssmittel.2 Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Fruktose den Harnsäurespiegel erhöht, einen wichtigen Mitverursacher des kardiorenalen Syndroms, das mit Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen in Verbindung gebracht wird.3

In der Folge sieht sich die Lebensmittel- und Getränkeindustrie zunehmend in der Kritik, und einige Länder wie Mexiko haben mit der Einführung von Konsumsteuern auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke reagiert. Lebensmittel- und Getränkehersteller wie Danone und Unilever haben die ungewollten Folgen des Austauschs von Fett durch Zucker erkannt und auf den Druck der Öffentlichkeit und Regulierungsbehörden reagiert, indem sie ihre Produktrezepturen angepasst haben. Damit dürften diese Unternehmen von der steigenden Nachfrage nach gesünderen Lebensmitteln profitieren.

1 The American Journal of Clinical Nutrition, 2010
2 Iowa Ag Review, 2005
3 The American Journal of Clinical Nutrition, 2008
  

juergen-siemer-new.jpgDr. Jürgen Siemer

Senior Sustainability Investing Analyst der RobecoSAM Healthy Living Anlagestrategie

«Lebensmittel- und Getränkehersteller, die mit gutem Beispiel vorangehen, den Zuckergehalt ihrer Produkte reduzieren und gesündere Alternativen vermarkten, dürften einen Wettbewerbsvorteil erhalten.»

 



Share this page:

juergen-siemerDr. Jürgen Siemer
Senior Sustainability Investing Analyst der
RobecoSAM Healthy Living Anlagestrategie



Zahl des Monats

1412-zahl-des-monats-de.jpg | GSImage