Kapital mobilisieren: Nachhaltigkeitsfaktoren effektiv nutzen

RobecoSAM Voices

14-11-2014

exco-michael-baldinger.jpgMichael Baldinger
CEO RobecoSAM



 

 

Michael Baldinger teilt einige seiner Eindrücke des diesjährigen RobecoSAM Forums.

Anfang Oktober hatte ich die Freude, so viele Investoren und Unternehmensvertreter wie nie zuvor zu unserem sechsten jährlichen RobecoSAM Forum zu begrüssen.

Die Planungen für das Forum beginnen im Frühsommer, zeitgleich erhielten wir die erfreuliche Nachricht, dass unser letztjähriges RobecoSAM Forum von der Fachzeitschrift Investment Week zum «Most Innovative Event» ernannt wurde – zur innovativsten Veranstaltung des Jahres, die «das Anlageethos und die Botschaft der Veranstalter auf ganzheitliche Weise vermittelt hat». Diese Auszeichnung spornte uns an, alles daran zu setzen, das RobecoSAM Forum zu einer noch anregenderen, interaktiven und spannenden Veranstaltung zu machen.

Ich bin sehr stolz auf das, was wir in diesem Jahr erreicht haben. Das diesjährige RobecoSAM Forum hat sogar unsere eigenen Erwartungen übertroffen:

  • Wir konnten 270 Forum-Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern begrüssen
  • Die teilnehmenden Investoren vertreten ein Anlagevermögen von insgesamt USD 8 Billionen
  • Die teilnehmenden Unternehmen kommen zusammen auf einen Börsenwert von USD 1,3 Billionen
  • 12 Workshops boten Raum für lebhafte Diskussionen zu den vielfältigen Nachhaltigkeitsansätzen, die Investoren und Unternehmen in der Praxis umsetzen können
  • 9 renommierte Keynote-Referenten und Podiumsteilnehmer kamen zu Wort
  • 30 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit für eine Probefahrt mit einem Tesla

Mit dieser einzigartigen Kombination von hochkarätigen Referenten und Teilnehmern, anregenden Vorträgen und einer idyllischen Umgebung bot das RobecoSAM Forum eine ideale Plattform für einen lebhaften Ideenaustausch, der in den Kaffeepausen und ausserhalb des offiziellen Teils der Veranstaltung weitergeführt wurde.

Die Weichen stellen
Am ersten Veranstaltungstag machte Nick Robins, Co-Direktor der Initiative «Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System», den Auftakt mit einem Überblick über die Ziele dieser UNEP-Initiative, die verschiedene Stakeholder, Finanzmarktteilnehmer, politische Entscheider und Nachhaltigkeitsexperten zusammenbringt. In den nächsten 15 Monaten wollen diese gemeinsam globale Best-Practice-Ansätze identifizieren und eine Reihe von Instrumenten und Regulierungsempfehlungen vorlegen, um den Übergang zu einem nachhaltigeren Finanzsystem voranzutreiben. Robins verwies auf unterschiedliche Faktoren, die bislang verhindern, dass mehr Anlagekapital in Lösungen für eine kohlenstoffarme Wirtschaft fliesst. In erster Linie nannte er kurzsichtiges Anlageverhalten, Fehlanreize, ein schlechtes Risikomanagement und Informationsasymmetrien. Wie er betonte, könnte die Finanzregulierung jedoch massgeblich dazu beitragen, diese Hürden auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Finanzsystem abzubauen. Der Abschlussbericht der UNEP-Initiative soll Ende 2015 vorgelegt werden. Ich bin sehr gespannt, welche Empfehlungen die Expertengruppe machen wird.

forum-2014.JPG«...aus Sicht der Pensionskassen sei es unverantwortlich, die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance bei Anlageentscheidungen ausser Acht zu lassen.»

Nachhaltigkeit heisst nicht weniger Profit,sondern Profit für immer1
Als nächstes durften wir Robert Eccles, Professor of Management Practice an der Harvard Business School, erneut beim RobecoSAM Forum begrüssen. Gemeinsam mit seiner ehemaligen Studentin Erica Karp, Gründerin und CEO von Cornerstone Capital, beteiligte er sich an einer Podiumsdiskussion zu der Frage, wie die integrierte Finanzberichterstattung helfen kann, mehr Kapital in nachhaltigere Anlagen zu kanalisieren. Neben dem freundschaftlichen Schlagabtausch zwischen dem Professor und seiner ehemaligen Studentin entwickelte sich eine spannende Diskussion darüber, wie die geläufige Terminologie Investoren daran hindern könnte, bei ihren Anlageentscheidungen ESG-Faktoren zu berücksichtigen. Erica Karp zufolge gibt es eine sprachliche Barriere: Anstatt über «non-financial data» sollten wir über «pre-financial data» sprechen, da ESG-Faktoren durchaus finanziell relevant sind – aber eben erst in der Zukunft. Im Mittelpunkt des Sustainability Investing stünden fundiertere Analysen, die uns helfen, herausragende Unternehmen zu identifizieren. Gerade aus Sicht der Pensionskassen sei es unverantwortlich, die Faktoren Umwelt, Soziales und Governance bei Anlageentscheidungen ausser Acht zu lassen. Da stimme ich ihr voll zu.

Aus asiatischer Sicht
In seiner gleichermassen provokativen und unterhaltsamen Keynote-Ansprache zweifelte Chandran Nair, Gründer und CEO des Global Institute for Tomorrow, die Annahme an, dass ein westliches, konsumorientiertes Wirtschaftsmodell der richtige Weg für die asiatischen Volkswirtschaften sein könnte. Er warnte, dass ein solcher Ansatz in einer von Rohstoffknappheit gezeichneten Welt in einer Katastrophe münden würde. Stattdessen argumentierte er, dass wirtschaftliche Fortschritte, die auf zu billig verkauften Rohstoffen und der Externalisierung von Kosten basiert, nicht mehr tragbar sind. Als Gesellschaft müssten wir daher den Wohlstand neu und inklusiver definieren und zudem schwierige Entscheidungen darüber treffen, was wir haben können und was nicht – und zu welchem Preis. Das wiederum erfordere natürlich ein strenges Regelwerk. Nach seinen gewagten Forderungen befürchtete Nair, dass er womöglich alleine zu Abend essen müsste. Tatsächlich aber war seine Rede so inspirierend, dass er der gefragteste Gesprächspartner beim Dinner war.

Als nächstes adressierte Jamie Butterworth von der Ellen MacArthur Foundation einige Herausforderungen beim Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft und den diesbezüglich von Unternehmen entwickelten Lösungen. RobecoSAM wird auch in Zukunft Unternehmen identifizieren, die Lösungen für die von Butterworth erwähnten Rohstoffherausforderungen entwickeln, und in diese investieren.

Aufruf zum Handeln für Pensionskassen
Tag 2 startete mit einer Podiumsdiskussion mit drei bekannten institutionellen Investoren: Mats Andersson, Geschäftsführer der schwedischen Pensionskasse AP4, Philippe Desfossés, Geschäftsführer von ERAFP, und Anders Thorendal, Finanzdirektor und Chief Investment Officer der Schwedischen Kirche. Sie erläuterten, welche Ansätze ihre Institutionen bei der nachhaltigen Kapitalanlage verfolgen. Desfossés hält einen Best-in-Class-Ansatz, der Unternehmen aller Branchen zu nachhaltigeren Geschäftspraktiken anhält, für den effektivsten Ansatz, um eine nachhaltigere Wirtschaft zu schaffen. Thorendal dagegen unterstrich die Bedeutung des Engagements und der Stimmrechtsausübung für eine nachhaltige Kapitalanlage. Andersson schloss die Diskussion mit einem Aufruf an alle Investoren, die dem Sustainability Investing immer noch skeptisch gegenüberstehen: Wählen Sie irgendeinen Ansatz als Ausgangspunkt – egal welchen – und handeln Sie danach. Alle Ansätze – Impact Investing, CO2-arme Anlagen, Best-in-Class oder Engagement – hätten ihre Existenzberechtigung.

«Sustainability Investing ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und nicht nur Kosmetik.»

Ich schliesse mich Mats Anderssons Aufruf an Anleger – insbesondere Pensionskassen – an, bei ihren Anlageentscheidungen Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen. Das Interesse an Sustainability Investing ist gross: Wir haben Anfang dieses Jahres mehr als 1200 Pensionskassen-Versicherte in der Schweiz gefragt, ob sie sich von ihren Pensionskassen wünschen, dass diese Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlageentscheidungen integrieren. Das Ergebnis: 72% der Befragten möchten, dass ihre Pensionskasse finanziell relevante ESG-Faktoren berücksichtigt, und 79% sind überzeugt, dass nachhaltige Anlagestrategien langfristig bessere Anlageentscheidungen ermöglichen. Diese Ergebnisse bestärken uns in unserer Überzeugung, dass Sustainability Investing ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und nicht nur Kosmetik ist. Nun sind alle gefordert, Kapital zu mobilisieren und für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.
Ich freue mich darauf, Sie beim RobecoSAM Forum 2015 wiederzusehen!

1 Phillip Barlag;www.fastcoexist.com