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Wasser in Schwellenmärkten – Herausforderung und Chance

Wasser in Schwellenmärkten – Herausforderung und Chance

01-03-2018 | Artikel

Wasser ist klar und transparent, dabei voller Kontraste. Wasser ist scheinbar unerschöpflich — und doch bedrohlich knapp. Es ist von unschätzbarem Wert, wird aber täglich verschwendet. Für die trockenen Klimazonen der Welt ist die Wasserknappheit seit jeher ein Problem. Inzwischen aber wird in vielen Teilen der Welt so verschwenderisch mit den Wasserreserven umgegangen, dass der Wassermangel in immer mehr Regionen zu einer ernsthaften Bedrohung für die menschliche Gesundheit, die Entwicklung vor Ort und das globale Wirtschaftswachstum wird. Momentan leben 2 Milliarden Menschen in Regionen mit akutem Wassermangel.1 Wenn sich nichts ändert, wird der Wasserbedarf das Angebot um 40% übersteigen. 2

  • Dieter Küffer
    Dieter
    Küffer
    CFA, Senior Portfolio Manager, RobecoSAM Sustainable Water Strategy
  • Der demografische Wandel verschärft die globale Wasserkrise; die Schwellenmärkte sind am stärksten betroffen
  • Zugang zu Wasser ist eine unerlässliche Voraussetzung für globales und lokales Wirtschaftswachstum
  • Die Wasserkrise treibt die Entwicklung innovativer Technologien für die Wasseraufbereitung und -wiederverwertung voran
  • Mehrere SDGs stehen mit Wasser in Verbindung – damit können Investoren die nachhaltige Wirkung ihrer Anlagen mit einem Investment in diesem Bereich maximieren

Steigender globaler und lokaler Bedarf

Durch globale Herausforderungen wie das Bevölkerungswachstum, die rapide Urbanisierung, den Klimawandel und die steigenden Lebens- (und Wasser-) Standards wird sich die Problematik der Wasserverknappung zwangsläufig verschärfen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2030 auf 8,4 Milliarden anwächst. Mit dem Bevölkerungswachstum steigt der Wasserbedarf genauso wie das Abwasseraufkommen. Es müssen immer mehr Lebensmittel produziert werden—und zwar nicht nur Reis, Weizen und Kartoffeln, sondern auch wasserintensive Nahrungsmittel wie Rind-, Hühner- und Schweinefleisch. Gleichzeitig drängen die Menschen vom Land in die Städte. Dadurch steigen die Anforderungen an die Grundversorgungsleistungen für Einwohner und Industrie in den Ballungszentren. Bis 2030 werden 60% der Weltbevölkerung in Städten leben — und die meisten dieser Städte befinden sich in Schwellenländern (siehe Abb. 1).4,5

Wasserrisiken

Diesen strukturellen Trends kann sich keine Region entziehen. Bis 2030 wird fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Gebieten mit akutem Wassermangel leben. In den Schwellenmärkten werden die Auswirkungen aber deutlich stärker zu spüren sein als anderswo. Im Zuge des Bevölkerungswachstums werden rund 60% der Menschen, die in Regionen mit akuter Wasserknappheit leben, Einwohner von BRICS-Staaten sein (siehe Abb. 2). 7Hinzu kommt, dass auch die Auswirkungen des Klimawandels in diesen Regionen überproportional zu spüren sein werden. Neunzig Prozent aller Naturkatastrophen stehen in Verbindung mit Wasser. 8 Überall auf der Welt kommt es immer häufiger zu immer schwereren Überschwemmungen und Dürreperioden — in den Entwicklungs- und Schwellenländern aber fehlt es zudem an der Infrastruktur, um die verheerenden Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit und regionale Wirtschaft abzufedern.
Darüber hinaus ist die Landwirtschaft in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern weiterhin der grösste Wirtschaftssektor und geprägt durch schlecht ausgestattete Agrarbetriebe, die ineffizient und extrem umweltschädigend wirtschaften. In einigen Entwicklungs- und Schwellenländern ist der Agrarsektor für bis zu 90% des gesamten Wasserverbrauchs verantwortlich—verglichen mit 70% im weltweiten Durchschnitt. 9
Noch komplizierter wird die Problematik der Wasserverknappung und -verschmutzung dadurch, dass die landwirtschaftlichen Bewässerungssysteme zumeist unbehandeltes Abwasser verwenden. Abwasser ist ein Produkt aller menschlichen Aktivitäten – landwirtschaftlicher und industrieller Prozesse genauso wie biologischer Abläufe. In ihrem Water Development Report 2017 stellen die Vereinten Nationen fest, dass 80% der in die Umwelt freigesetzten Abwässer nicht ausreichend behandelt werden. Mit dem Bevölkerungswachstum, der steigenden Lebensmittelproduktion und der industriellen Expansion kommt es so zu schweren Verschmutzungen des Grundwassers und der globalen Wasserläufe.

Wachstumsmotoren

Die Schwellenländer werden nicht nur die Motoren des Bevölkerungswachstums, sondern auch die Motoren des globalen Wirtschaftswachstums sein. Die damit verbundene Ausweitung der Industrieproduktion erfordert Investitionen in den Auf- und Ausbau von Infrastruktur. Schwellenländer auf allen Kontinenten haben bereits enorme Infrastrukturprogramme in Gang gesetzt. Chinas 13. Fünfjahresplan zum Beispiel sieht Ausgaben in Höhe von 0,75% des BIP für die Wasserbehandlung vor. 10

Aber nicht nur Regierungen investieren in Lösungen für die Wasserkrise. In zahlreichen Branchen – vom Lebensmittel- und Getränkesektor bis zur Technologie- und Textilindustrie – stecken Unternehmen Milliarden in wasserbezogene Projekte, vor allem in den wachstumsstarken Schwellenländern.11

Der französische Lebensmittelriese Danone plant Investitionen von USD 60 Millionen in Sub-Sahara Afrika und China zur Sicherstellung der Wasserversorgung für die Herstellung seiner Milch- und Obstprodukte. Das Elektronikunternehmen AU Optronics hat USD 1,5 Milliarden in die Verbesserung der Wassereffizienz seiner Produktionsstandorte investiert. Coca-Cola gibt USD 160 Millionen für den Bau von Wasseranlagen in Kambodscha und Bangladesch aus und hat von 2003 bis 2004 USD 2 Milliarden in die Verbesserung der Wassereffizienz investiert. 12,13

Besonders wichtig sind die Wasserversorgung und der Schutz der Wasserreserven auch für den Energiesektor. Rund 75% der gesamten industriellen Wassernutzung entfallen auf die Energieerzeugung. Dass Energieunternehmen in Regionen mit akutem Wassermangel milliardenschwere Investitionen in Entsalzungstechnologien tätigen, ist daher nicht verwunderlich. 14, 15

Weitere Gründe für die Wasserkrise

Aus der Unternehmensperspektive betrachtet ist eine Expansion in den Schwellenmärkten für das anhaltende Wachstum vieler börsennotierter Firmen unverzichtbar. Auf der Regulierungsebene setzen Regierungen und Bürger aus gesundheitlichen Bedenken und Sorge um die Grundwasserverschmutzung strengere Wasserqualitätsstandards durch. Gleichzeitig drängen verantwortlich anlegende Investoren und andere Stakeholder auf einen verantwortungsvolleren Umgang mit Wasser und eine entsprechende Offenlegung von Wassermanagement-Praktiken.

Erfrischende Lösungen

Die Probleme sind genauso alt wie chronisch. In vielen Schwellenländern lässt sich der Wasserbedarf aufgrund von Überbeanspruchung und Missmanagement nicht mehr aus den Grundwasserreserven und Wasserläufen decken – eine Problematik, die auch die öffentlichen Haushalte überfordert. Aber es gibt Länder, die zeigen, wie viel sich mit etwas Geld, Kreativität und langfristigem Denken erreichen lässt. Singapur, Jordanien und die Golf-Staaten gehören zu den Ländern in Regionen mit akuter Wasserknappheit, die Innovationen vorantreiben und nutzen, um Antworten auf die Problematik des Wassermangels zu finden. Damit können sie als Vorbild für andere betroffene Regionen dienen.

Singapur –Der kleine Stadtstaat ist ein globaler Vorreiter im Wassermanagement. Singapur ist eines der Länder, die am stärksten mit dem Wassermangel zu kämpfen haben, hat aber hohe Investitionen in Wassermanagement-Technologien wie die Regenwassersammlung, die Abwasserbehandlung und Wasserreinigungsmethoden wie Mikrofiltration, Umkehrosmose und UV-Desinfektion investiert (siehe Abb. 5).
Golf-Staaten — Dank ihrer Nähe zum Meer setzen die rohstoffverwöhnten, aber wasserarmen arabischen Staaten vor allem auf die Meerwasserentsalzung, um ihren Wasserbedarf zu decken. Weitere Methoden wie das Wolkenimpfen, um Regen zu produzieren, haben sich aber ebenfalls bewährt. Als sehr energieintensive und teure Technologie ist die Meerwasserentsalzung für viele Regierungen und Investoren weniger attraktiv. Mit Wind- oder Solarkraft betriebene Entsalzungsanlagen sind eine kosteneffizientere und nachhaltigere Alternative.
Die Meerwasserentsalzung ist eine Lösung für den Wassermangel, vor allem in trockenen Küstenregionen, wo es keine anderen Optionen gibt.
Jordanien—Das dürregeplagte Land ist weltweit führend in der Wasserwiederverwertung und dem Wasserrecycling. In Jordanien wird praktisch das gesamte Abwasser (90%) aufbereitet und für die Bewässerung von Agrarflächen wiederverwertet. Der Behandlungsbedarf ist dabei weniger hoch als bei einer Aufbereitung für die kommunale Wasserversorgung. 16 Wie bereits erwähnt, werden schätzungsweise 80% des Abwassers nicht behandelt. Dieses Wasser könnte aufbereitet und in der Landwirtschaft oder Industrie genutzt werden.

Weitreichende Bedeutung des Wassers für die SDGs

Die Kosten für den Aufbau neuer und die Modernisierung bestehender Wasserinfrastruktur sind enorm — und überfordern die Staatshaushalte. Schätzungen zu den erforderlichen Investitionen in die Wasserversorgungs- und Wasseraufbereitungsinfrastruktur variieren. Die OECD beziffert den Investitionsbedarf bis 2050 auf USD 6,7 Billionen. 17 Lösen oder zumindest mindern lassen wird sich die Wasserkrise nur durch Innovationen und Investitionen aus privaten und staatlichen Quellen.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDG)18 bringen globale Ungleichheiten und Herausforderungen auf den Punkt, damit diese von Regierungen und Stakeholdern wie Investoren effizienter und wirkungsvoller adressiert werden können. SDG 6 adressiert den Wassermangel, die Wasserverschmutzung und das Wassermanagement – die Bedeutung des Wassers für die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme der Erde und die wirtschaftliche Entwicklung sowie das globale Wachstum reicht aber noch viel weiter. Tatsächlich hat das Wassermanagement direkte Auswirkungen auf mehr als die Hälfte der 17 SDGs.

SDG 6: «Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen» adressiert das Wassermanagement. Aber die Bedeutung des Wassers für die menschliche Gesundheit, die Ökosysteme der Erde und die wirtschaftliche Entwicklung sowie das globale Wachstum reicht aber noch viel weiter. Tatsächlich hat das Wassermanagement direkte Auswirkungen auf mehr als die Hälfte der 17 SDGs. Anlagen in Wasserunternehmen helfen nicht nur, die Wasserreserven zu schützen und sauber zu halten, sondern sind auch ein wirkungsvoller Ansatz, um zur Realisierung der SDGs beizutragen, Ungleichheiten zu mindern und bessere wirtschaftliche und gesundheitliche Lebensgrundlagen für Milliarden von Menschen zu schaffen.

1 United Nations SDG 2016 Report
2 United Nations Environment Program, Policy Options for Decoupling Economic Growth from Water Use and Water Pollution, März 2016, https://www.unenvironment.org/news-and-stories/press-release/half-world- face-severe-
3 UN Department of Econ & Social Affairs Population Division, World Urbanization Prospects, the 2014 Report
4 Ibid
5 UN The World’s Cities in 2016
6 United Nations Environment Program, Policy Options for Decoupling Economic Growth from Water Use and Water Pollution, März 2016, https://www.unenvironment.org/news-and-stories/press-release/half-world-face-severe-water-stress-2030-unless-water-use-decoupled
7 Fidelity International Research Brief, Water: Structural demand growth creates investing opportunities, https://www.fidelityinternational.com/middle-east/news-insight/21-century-themes/water.page
8 United Nations World Water Development Report 2017, Wastewater: The Untapped Resource
9 Aquastat, FAO Global Water Information System, 2014
10 China’s 13 th Five Year Plan: What Role will Wastewater Play?, Water World, h ttp://www.waterworld.com/articles/wwi/print/volume- 2/issue-7/technology-case-studies/china-s-13th-five-year-plan-what-role-will-wastewater-play.html
11 Big Companies invest billions to secure water supplies, Financial Times, November 6, 2017
12 BBC, Future Now Project, Is the World Running Out of Fresh Water?, April 12, 2017
13 Harvard Business Review, September 9, 2015, Coca-Cola met its water goals early. Were they too easy?, https://hbr.org/2015/09/coca-cola-met-its-water-goals-early-were-they-too-easy 14 United Nations World Water Development Report 2014, Water and Energy,
15 Financial Times Water Scarc ity Report, World without Water: six solutions to a shortage,
16 United Nations World Water Development Report 2017, Wastewater: The Untapped Resource
17 Speech by Angel Gurría, OECD Secretary-General, delivered at the High-Level Panel on Infrastructure Financing for a Water Secure World, http://www.oecd.org/environment/financing-infrastructure-for-a -water-secure-world.htm
18 Nachhaltige Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, http://www.un.org/sustainabledevelopment/

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